Ein gutes, neues Jahr!

Mit diesem Wunsch verabschieden wir uns in den letzten Tagen des alten Jahres. Ob an der Kasse im Supermarkt, beim Nachbarn am Gartenzaun oder bei den anderen Eltern aus der Schule der Kinder.
Was am neuen Jahr gut sein wird, zeigt sich, wenn es herum ist. So häufen sich auch die Jahresrückblicke in diesen Tagen und oft entdeckt man dann etwas Gutes, was man nicht erwartet hat. Meistens macht es jedoch grosse Mühe, jenes Gute im Rückblick zu suchen.
Der Jahreswechsel – sei es zum eigenen Geburtstag oder eben gerade in diesen Tagen, bringt mit sich, dass wir unser Verhältnis zur Zeit betrachten. Wir schauen zurück und hoffen nach vorn.
Dabei begrenzen wir uns auf eine Zeitspanne von einem Jahr. Dieses Jahr zu fokussieren, macht uns bereits Mühe.
Dabei sollten unsere Entscheidungen, damit sie Kraft bekommen, noch viel weitreichender sein. Eine Hochzeit ist zum Beispiel eine solche Entscheidung. Die Konsequenzen daraus zeigen sich einerseits ganz schnell in den ersten, gemeinsamen Jahren, die persönlichen Spuren, die Hochs und Tiefs, Werte wie Treue und Loyalität, reifen erst durch die Zeit. Und ist man am Ende treu geblieben, so kann man im Rückblick oft nich einfach sagen: Es war eine gute Zeit.
Ich kenne ein Ehepaar, welches seit über 60 Jahren verheiratet ist. Sie macht den Haushalt, er kümmert sich um das Haus, heizt den Badeofen und fährt sie zum Einkaufen. Höre ich ihnen zu, frage ich mich manchmal, ob das eine gute Ehe ist.
Was gut ist, oder nicht, hängt ja für jeden selbst von seinen Bedürfnissen ab. Für die beiden Eheleute, scheint es gut zu sein.
Ob etwas gut wird, hängt von den vielen, kleinen Entscheidungen ab, die wir treffen. Dabei können wir nicht wissen, ob sie nicht durch Unglücke oder Entscheidungen anderer in ihren erwarteten Ergebnissen beeinträchtigt werden. So war die Entscheidung, jährlich Geld in einen Fonds einzuzahlen, um daraus Startkapital für das Studium unserer Kinder zu erhöhen, keine gute. Der Fonds hat einen leichten Verlust gemacht…
Nun sucht man sich vielleicht zu rechtfertigen: Das konnte ich doch damals nicht wissen…
Manchmal verhindert auch ein unbewusster Zweifel eine Entscheidung. Ein Bauchgefühl sagt Ihnen, die Finger davon zu lassen. Oder aber, die Entscheidung ist so gross, dass Schweissausbrüche und Herzrasen zum Ja oder Nein führen – ohne bewusstes Nachdenken.
Im Moment der Entscheidung zeigen sich diese verschiedenen Widerstände. Die Stimme der Rechtfertigung, die Stimme des Zweifels und die blanke Angst. Sie sind die dunklen Begleiter und gleichzeitig wichtige Ratgeber. Denn sie haben drei unterschiedliche Qualitäten, die etwas über die Art der Entscheidung aussagen.

Stimme der Rechtfertigung

Sie zeigt, dass der Hinderungsgrund in der Vergangenheit liegt. Man hat noch nicht genügend analysiert, abgewogen zwischen Fakten und dazugehörigen Urteilen und Meinungen. Die Sache ist noch nicht weit genug durchdacht.

Stimme des Zweifels

Sie ist ein Ausdruck des Bauchgefühls und stellt eine Unstimmigkeit zwischen Vergangenheit und Zukunft dar. Stimmen die aus der Vergangenheit gewonnenen Erkenntnisse mit den Zukünftigen Erwartungen überein?

Blanke Angst

Sie richtet sich in die Zukunft und fragt danach, ob unsere Visionen und Ziele mit den möglichen Wegen übereinstimmen. Sie erscheint, wenn der erste Schritt nach einer Entscheidung deutlich zu gross oder deutlich zu klein ist.

In unserer Zeit, die immer mehr Menschen als zu schnell, zu wechselhaft und unsicher empfinden, kommt es zunehmend darauf an, Entscheidungen zu fällen und dabei diese Widerstände zu überwinden. Ich wünsche Ihnen Mut und Gegenwärtigkeit, dies im neuen Jahr bewusst zu tun. Freuen Sie sich über das Auftauchen der Stimmen der Rechtfertigung, des Zweifels und der blanken Angst. Sie sind ein Zeichen dafür, dass es sich um wichtige Entscheidungen handelt. Scheiden sie sich dann von anderen, zielführenden Wegen und beobachten Sie, wie die Entscheidung auf ihr Leben wirkt. Sie werden verblüfft sein, wie sie Sicherheit gewinnen.

In diesem Sinne eingutes neues Jahr

wünscht
Olaf Keser-Wagner.

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